Sonderformate

Es gibt in der Geschichte der analogen Fotoapparate viele Kameras, die aus heutiger Sicht ungewöhnliche und oft auch nicht mehr lieferbare Filmformate verwendeten.
Hier eine kleine Auswahl.


Fotochrome

Die seltsam aussehende Fotochrome-Kamera wurde im Jahre 1965 in großen Stückzahlen von der japanischen Firma Petri für den US-Amerikanischen Harrison Konzern hergestellt, der die Kamera mit einer aufwändigen Werbekampagne auf den Markt brachte.
Als Film wurde ein direktpositives Material mit einer Empfindlichkeit von ISO 10 (zehn!) verwendet. Nach der Entwicklung entstanden so Fotos mit einer Größe von 5,5 X 8 cm. Ein Blitz für M3 Blitzbirnen ist eingebaut.
Durch die oft fehlerhafte automatische Belichtungssteuerung über die ringförmige Selenzelle, das kleine Bildformat ohne Negative und die mangelnde Akzeptanz der Kunden geriet diese Kamera zu einem der größten Flops der amerikanischen Kameraindustrie.
Filmmaterial für diese Kamera ist leider nirgendwo mehr erhältlich.


Polaroid 340

Mehr Erfolg hatte der amerikanische Physiker E.H. Land der 1947 die erste Polaroid Sofortbildkamera vorstellte.
Das hier gezeigte Modell 340 verfügt über einen Entfernungsmeß-Sucher, eine automatische Belichtungssteuerung und das Systemblitzgerät für klare M3 Blitzbirnen (deswegen der blaue Reflektorschirm).
Als Film wird der leider nicht mehr hergestellte Packfilm FP 100 verwendet, der Bilder im Format 8,5 X 10,8 cm liefert.


Mamiya 16 Automatic

Für den beliebten 16mm Film, der gerne in Filmkameras verwendet wurde, kamen in den 1960er Jahren eine Reihe kleiner Kameras auf den Markt, die ähnlich der Minox vom kleinen Filmformat profitieren wollten.
Hier die Mamiya 16 Automatic die ab ca. 1960 in die deutschen Fotoläden kam. Später wurde das Maschinchen auch von Foto-Quelle unter der Handelsmarke „Revue“ verkauft.
Der Apparat hat die Abmessungen 3x5x10 cm und ist erfreulich komplett ausgestattet. Ein Belichtungsmesser mit Rechenscheibe und Blendenkupplung ist für damalige Zeiten keine Selbstverständlichkeit. Ebenso der eingebaute Gelbfilter und der seitlich angebrachte Blitzschuh samt Buchse.
All das ist in einem soliden Metallgehäuse untergebracht.


Agfa ISO-Rapid I

Als Kodak 1963 sein durch mehrere Patente geschütztes und erfolgreiches 126er Kassettensystem vorstellte, kam die Fa. Agfa auf den Gedanken das schon 1937 entwickelte „Karat“ System aus der Versenkung zu holen und geringfügig modifiziert unter dem Namen „Rapid“ als Antwort auf die Instamatic Kassette zu vermarkten. Hier wurde ebenso ein einfacher und auch für Laien problemloser Filmwechsel propagiert.

Agfa ISO-Rapid 1F

Es verwundert deshalb nicht dass Rapid-Kameras eher einfach gestrickte Knipskästen für fotografische Anfänger waren. Die hier gezeigte Agfa ISO-Rapid I besitzt ein nicht näher bezeichnetes Parator Objektiv und hat zur Belichtungssteuerung lediglich zwei unterschiedliche Verschlußzeiten anzubieten. Interessant ist der Blitzschuh mit Mittenkontakt der damals nicht selbstverständlich war. Das Bildzählwerk befindet sich gut sichtbar auf der Kameraoberseite, der Filmtransport erfolgt über ein Drehrad. Das Bildformat ist quadratisch 24 x 24 mm so daß 16 Bilder auf den Film passen. Eine Entfernungseinstellung ist nicht vorgesehen.
Die gleichzeitig angebotene ISO-Rapid IF bietet neben einem lichtstärkeren Isinar Objektiv mit drei einstellbaren Blenden (8-11-16) ein eingebautes Blitzgerät für FB Blitzbirnchen. Eine 6Volt Batterie ist im Kameraboden untergebracht, der Blitzreflektor kann durch ein Rändelrad aus- und eingefahren werden. Auch hier beträgt das Negativformat 24 x24 mm
Das Rapid-System konnte sich gegenüber der Instamatic Kassette von Kodak nicht lange behaupten. Ab 1967 baute Agfa selbst Instamatic-Kameras.
Rapid-Patronen können mit normalem Kleinbildfilm „befüllt“ werden, die maximale Filmlänge ist 60cm.


Kosmos „Optikus“ Experimentierkasten

Die für ihre „Kosmos“ Experimentier Baukästen bekannte Franckh’sche Verlagshandlung produzierte ab ca. 1968 den Optikus. In über 100 Versuchen konnten von der Farbzerlegung im Prisma bis zum mühelosen Bau funktionsfähiger Geräte, wie z. B. Fernrohr mit 15 facher Vergrößerung und achromatischem Objektiv die Gesetze der Optik und der Fotografie spielend erlernt werden. Die Krönung des Baukastens, der meines Wissens über 100.- DM gekostet hatte, war zweifelsohne der Bau einer Spiegelreflexkamera mit Wechseloptik. Für den Film diese Kamera wurde das Agfa Rapid System verwendet.
Der Bau der Kamera gestaltet sich recht mühsam, da die verwendeten Kunststoffteile aus denen die Verschlussmechanik besteht sehr grob gefertigt sind und eine genaue Justierung nach dem Einbau nicht mehr möglich ist.
Schlussendlich kann ein Fotoapparat gebastelt werden, der mit einem sehr trüben Lichtschachtsucher und dem Standardobjektiv 1:5,6/71,5 mm mit zwei Kunststofflinsen in der Lage ist einen Film zu belichten. Wenn nur die unzuverlässige Verschlussmechanik nicht wäre!

Kosmos Optikus Kamera

Als Fazit bleibt zu sagen: Die verwendeten Kunststoffteile sind in sich zu schwergängig und haben auch zuviel Spiel, so dass eine einwandfreie Funktion nicht garantiert werden kann. Mit einer passgenaueren Metallausführung der Verschlusseinheit hätte man mit Sicherheit mehr Erfolg gehabt. Ebenso war das Verschwinden des Rapid-Systems für den Hersteller sicher so nicht geplant. Nichtsdestotrotz eine eher seltene Kamera.
Noch ein paar technische Daten:
Typ: einäugige Spiegelreflexkamera mit Lichtschachtsucher
Verschlusszeit: ca. 1/30 sec
2-Linsiges Objektiv f: 5,6/71,5mm
Blitzanschluss: nein
Stativgewinde: nein
Ösen für Halteriemen: Ja


Schon ab den 1930er Jahren in Japan produziert, wurden die für den 17,5 mm Rollfilm konstruierten Mini-Kameras nach dem 2. Weltkrieg in großen Mengen und einer fast unüberschaubaren Typenvielfalt auch in den Westen exportiert.

Speedex

Die hier gezeigte Speedex ist eine der einfachen Versionen mit einem Fixfokus-Objektiv und einer Verschlußzeit von ca. 1/30 s. Die AAA-Batterie daneben dient zum Größenvergleich. Über ein Rotfenster auf der Rückseite kann der korrekte Filmtransport kontrolliert werden. Ähnlich wie beim Rollfilm 120 war der 17,5mm Film mit einem Papier mit aufgedruckter Bildnummer versehen.

Mycro IIIa

Das etwas besser ausgestattete Modell Mycro IIIa bietet neben einer Doppelbelichtungssperre auch eine Blendeneinstellung im Bereich von 4,5-11, einen Drahtauslöseranschluß und eine putzige Ledertasche. Auch hier dient die Batterie nur dem Größenvergleich, diese Maschinchen brauchen keinen Strom.
Leider sind für diese Kameras keine Filme mehr lieferbar.


Kodak Disk 8000

Ein weiteres trauriges Kapitel der Fotogeschichte ist die Einführung des Kodak-Disc Films im Jahre 1982.
Eigentlich geplant das im Absatz rückläufige „Pocket-Format“ zu ersetzen, konnte sich der Disk-Film wegen seines noch kleineren Negativformates (8×10,5mm) und den daraus resultierenden grobkörnigen Vergrößerungen nicht durchsetzen.
Hier die Spitzenkamera der Kodak Serie, die Kodak Disc 8000:
Neben einer Gold-Metallic Frontplatte bot die Kamera ihrem Benutzer eine vorschiebbare Nahlinse, einen eingebauten Elektroblitz der sich automatisch zuschaltetete, einen Selbstauslöser, eine Serienbildfunktion (3 Bilder hintereinander) und nicht zuletzt eine putzige kleine LCD Uhr mit Weckerfunktion im Gehäusedeckel.
Die optische Ausstattung der Kamera war eher bescheiden: Ein Fixfokus Objektiv (12,5 mm f:2,8) sollte ausreichen um die 15 Bilder die auf dem Film kreisförmig angeordnet waren zu belichten. Die Belichtungssteuerung erfolgte automatisch.

Vorsatzlinsen für Kodak Disc

Als nützliches Zubehör wurde von externen Firmen Vorsatzlinsen angeboten, die eine Tele- oder Weitwinkelfunktion entsprechend 35mm und 70mm (bei Kleinbild) ergaben. Dabei war auch eine entsprechende Sucherlinse eingebaut.
Die Disc-Kameras haben sich trotz kurzfristiger Verkaufserfolge in der Anfangszeit kaum verbreitet. Sie boten gegenüber den inzwischen ähnlich preiswerten kompakten Kleinbildkameras keine nennenswerten Vorteile. Ebenso war von Anfang an fraglich, ob es den zugehörigen Film lange geben würde. Die Filmproduktion lief dann auch im Jahre 1999 aus.


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