Rollfilmkameras

Rollfilm 120

Als Rollfilm bezeichnet man fotografischen Film, der offen auf Spule konfektioniert wird. Die Bezeichnung entstand im Unterschied zum Planfilm. Als biegsamer Schichtträger wurde ursprünglich Papier, später die leicht entzündliche Nitrozellulose; sowie ab etwa 1908 die schwer entflammbare Acetatcellulose (Sicherheitsfilm) verwendet. Der Film wird von einer Vorrats- auf eine Leerspule gewickelt. Der belichtete Film wird zusammen mit der Speicherspule zur Entwicklung gegeben. Beim Einlegen eines unbelichteten Rollfilms in das Rollfilmmagazin wird die letzte Vorratsspule als Leerspule verwendet. Ursprünglich wurden die Spulen aus Holz und Metall gefertigt, später aus Plastik. Rollfilm ist im Gegensatz zu 35-mm-Film (Kleinbildfilm) nicht perforiert. Hier als Beispiel den 120er Rollfilm , der bei einer Negativgröße von 6×6 cm 12 Aufnahmen ermöglicht. Während das Kleinbildformat nur auf eine Negativgröße von 8,64 cm² kommt, bietet der Rollfilm 36 cm². Gerade bei starken Vergrößerungen ist der Rollfilm nach wie vor unschlagbar und wird heute noch in Profigeräten eingesetzt.


Zeiss Ikon Box Tengor

Die Box Kameras waren in den 30er bis 50er Jahren des 20. Jahrhunderts die Fotoapparate für das einfache Volk.
Meist mit einer einfachen Linse und einer Verschlusszeit von ca. 1/30 sec. ausgestattet, ermöglichten diese Geräte das Bildermachen bei ausreichend Sonnenlicht.
Die schon etwas besser aufgestellte Zeiss Ikon Box Tengor bot darüber hinaus eine Einstellung für die Entfernung in drei Stufen und eine ebenfalls dreistufige Blende. Die Bildleistung ist als eher mäßig einzustufen, es braucht immer einen schönen sonnigen Tag mit ausreichenden Kontrasten um zu brauchbaren Bildern zu kommen.

Ein Blitzanschluss ist an dieser Kamera aus dem Jahre 1938 nicht vorgesehen, dafür gibt es zwei Stativgewinde und zwei Suchereinblicke, jeweils für Hoch- oder Querformat.
Als Belichtungszeit kann die Momentzeit von ca. 1/30sec. oder die mit „T“ markierte Offenstellung benutzt werden. Für Langzeitbelichtungen ist ein Drahtauslöseranschluß vorgesehen.
Der 120er Rollfilm wird dabei im Format 6×9 cm belichtet, was für 8 Bilder ausreicht. Eine Doppelbelichtungssperre ist ein weiteres Ausstattungsmerkmal das die gehobene Klasse der Box Tengor unterstreicht.


Agfa Billy I

Eine viel verkaufte Kamera im 6×9 Format war in den 1950er Jahren die legendäre Billy I von Agfa. Die schon vor dem 2. Weltkrieg erfolgreiche Kamerabaureihe wurde behutsam modernisiert und den Kunden mit schlagenden Argumenten wie: „Das 6×9 Format bietet Aufnahmen, die für Ihr Album richtig sind. Vergrößern ist nicht nötig – aber selbstverständlich möglich.“ nahegebracht. Mit dem Preis von 68.- DM für das Modell mit dem Pronto Verschluss und dem bewährten dreilinsigen Agnar Objektiv bekam der Käufer einen handlichen Fotoapparat der mit Selbstauslöser und Blitzbuchse für Freude beim fotografieren sorgte. Einen Belichtungs- oder Entfernungsmesser musste der Fotograf allerdings separat erwerben. 


Zeiss Ikon Mess-Ikonta 6×6

Eine technisch weitaus bessere Kamera, die Mess-Ikonta 6×6, leistete sich zum Weihnachtsfest 1953 der mir unbekannte Herr Greveler aus dem Raum Münster. Laut beiliegender Rechnung kaufte er sich nicht nur eine der schönsten Rollfilmkameras die Zeiss Ikon jemals baute, dazu kamen auch noch sieben Blitzbirnen( 5x XP und 2x XO), einen Duo-Lux Blitz incl. Batterie, einen Drahtauslöser und natürlich einen Film. Ob schwarz/weiß oder farbig lässt sich hier nur spekulieren. Aber ich denke daß er schöne Aufnahmen vom Weihnachtsfest machen konnte . Und später hoffentlich noch viele Filme mit der schönen Mess-Ikonta belichtet hat. Es gibt ja so viele Anlässe zum fotografieren. Obwohl das fotografieren ein teurer Spaß war. Zumal anfangs  der 50er Jahre, als der durchschnittliche Monatsverdienst in Westdeutschland bei ca. 250.- DM lag. Vielleicht hat Herr Greveler auch bald nach dem Kauf seiner neuen Kamera nicht mehr viel Gelegenheit gehabt Bilder zu machen, denn der Apparat sieht über 60 Jahre später immer noch aus wie frisch aus dem Laden der Fa. Schmelter. Ich weiß es nicht, aber ich danke Herrn Greveler für die schöne Ikonta die jetzt meine Vitrine schmückt.
Bei dieser Kamera ist der Entfernungsmesser nicht gekuppelt, daher muß die durch ein separates Sucherfenster gemessene Entfernung anschließend auf das Objektiv übertragen werden.


Zeiss Ikon Ikoflex 1a

Auch im Segment der zweiäugigen Spiegelreflex-kameras hatte Zeiss Ikon bis Mitte der 50er Jahre ein recht erfolgreiches Modell im Programm: die Ikoflex. Nicht ganz so komfortabel ausgerüstet wie z.B. die Rolleiflex vermochte die Ikoflex jedoch durch eine grundsolide Konstruktion, eine gute Filmführung und die bekannten Zeiss  Objektive zu überzeugen. Die hier gezeigte Kamera ist die bis 1955 produzierte Ikoflex Ia,das preiswerteste Modell der Serie. Mit dem 3-Linsigen Novar Anastigmat gelingen jedoch auch dem ungeübten Fotografen scharfe Bilder, da die Einstellung über den Lichtschachtsucher im vollen 6×6 cm Format stattfindet. Ein Handbelichtungsmesser sollte aber stets mitgeführt und benutzt werden.
Da der 120er Rollfilm bis in die 60er Jahre etwas dicker war, stimmt die automatische Transportlänge für heutige Filme bei der Ikoflex nicht mehr. Um dies auszugleichen, empfiehlt es sich vor dem Aufspulen des Films zwei Ringe Isolierband auf die Aufnahmespule anzubringen um Bildüberschneidungen zu vermeiden.
Der an der Ikoflex 1a verbaute Verschluß bietet Zeiten von 1sec. bis 1/300sec + B was für die damaligen Standardfilme von 17DIN völlig ausreicht.


Rolleiflex T

Weil die Fa. Voigtländer seine neuartige zweiäugige Rollfilmkamera nicht bauen wollte, suchte der Konstrukteur Reinhold Heidecke nach einer Möglichkeit seine Entwicklung in Eigenregie zu fertigen und zu verkaufen. Mit dem Fotokaufmann Paul Franke (auch ein ehemaliger Voigtländer Mitarbeiter) wurde im Jahre 1920 die Fa. Franke und Heidecke gegründet.
Die Rolleiflex T war das Mittelklasse-Modell in den 1950er bis 1970er Jahren. Mit dem komfortablen mit dem Filmtransport kombiniertem Verschlußaufzug, wahlweise Belichtungsmesser, und dem scharfzeichnenden Zeiss Tessar ausgerüstet konnte die dem Spitzenmodell vorbehaltene 2,8er Blende leicht verschmerzt werden. Zumal der Einstiegspreis 1960 mit ca.550.- DM nicht gerade niedrig war.

Rolleikin für Rolleiflex


Auch die Möglichkeit Kleinbildfilme zu belichten war durch ein „Update“ namens Rolleikin
gegeben. Mit diesem etwas komplizierten Anbauteil schlossen jedoch nicht sehr viele Fotografen eine enge Freundschaft.
Was viele Anwender jedoch bemängelten war das sture Festhalten an der 80mm Festbrennweite ohne die Option eines Objektivwechsels. Dennoch ist die Rolleiflex dank ihrer nahezu unverwüstlichen Konstruktion ein Synonym für Profikameras der 1950er und 1960er Jahre.


Mamiyaflex mit Objektiv 80mm

Mamiyaflex mit entferntem Objektiv

Wie man ein solches Wechselobjektiv konstruktiv löst, zeigte die Fa. Mamiya mit Ihrer 1956 erschienenen Mamiyaflex. Meine Mamiyaflex C2 ist ca. Baujahr 1962 und im Vergleich zur Rolleiflex und Ikoflex gefühlte 5kg schwerer. Das liegt zum einen an der äußerst robusten Bauart der Mamiya die von vornherein für den rauen Alltag der Berufsfotografen gebaut wurde und zum anderen am langen Balgenauszug, der mit dem Normalobjektiv Nahaufnahmen aus ca. 30cm ermöglicht. Als Wechselobjektive wurden 65mm, 80mm, 105mm, 135mm und 180mm angeboten.


Agfa Click II

Agfa Clack

Die Agfa Click und Clack Modelle waren bis in die 80er Jahre beliebte Einsteigerkameras die in Millionenstückzahlen gebaut wurden.Technisch eher mit den Boxkameras verwandt, sprachen sie mit einem an „normale“ Fotoapparate angelehnten Erscheinungsbild eine große Käuferschicht an. Das Blitzgerät war exklusiv für die „Click“ oder „Clack“ konstruiert. Meine schöne und hervorragend funktionierende „Click II“ Kamera bietet eine Entfernungseinstellung in zwei Stufen und zwei Blendenwerte bei einer Anfangsöffnung von 1:8,8. Damit ist klar dass nur bei sehr viel Licht gute Bilder gelingen. Die Belichtungszeit ist fest bei ca. 1/40 sec. Dennoch ist das Agfa System eine Bereicherung für jeden Fotografen, denn die erzielten Bilder können sich durchaus sehen lassen.

Testbild Agfa ClickII


Das Negatvformat der Agfa Click beträgt 6 x 6 cm so daß auf einen 120er Ro
llfilm 12 Bilder passen.
Die Agfa Clack belichtet Negative im 6 x 9 cm Forrmat (8 Bilder pro Film) und hat als Besonderheit eine B-Stellung bei der Zeitenwahl, einen Anschluß für einen Drahtauslöser und einen eingebauten Tragegriff.
Beiden Agfa Kameras ist die gewölbte Filmandruckfläche gemeinsam, die Abbildungsfehler der einfachen Linse ausgleicht.


Mamiya 645 1000S

Im Jahre 1975 stellte der auf Rollfilmkameras spezialisierte japanische Hersteller Mamiya die M645 vor. Eine einäugige Spiegelreflexkamera die 15 Bilder im Format 6cm x 4,5cm auf den 120er Film brachte. (30 Bilder auf 220er Film) Das Modell war von Anfang an als Systemkamera ausgelegt. 18 Objektive, 4 Suchermodelle, 5 Einstellscheiben, dazu Balgengerät, Zwischenringe, Motorhandgriff etc. ließen für den professionellen Fotografen keine Wünsche offen.
Auch die Kamera war für den Profibetrieb gut ausgerüstet. Zeiten von 8 sec – 1/1000 sec, zwei Auslöser, Spiegelentriegelung, Selbstauslöser und die Möglichkeit der Mehrfachbelichtung stecken in einem soliden Metallgehäuse. Die Blitzsynchronzeit für Elektronenblitze liegt bei 1/60 sec.
Die Mamiya 645er Serie wurde mit einer umfassenden Modellpflege bis 2006 gefertigt.


Mamiya 645 Pro

Eine dieser Modellgepflegten Typen ist die Mamiya 645 Pro, die 1992 in den Fotoläden Einzug hielt. Das hervorstechendste Merkmal dieser Baureihe ist das nunmehr voll wechselbare Filmrückteil. Nicht nur 120er und 220er Rollfilme konnten bei vollem Tageslicht gewechselt werden, auch ein Polaroidrückteil und eine Kassette für 136er Kleinbildfilm waren im Programm. Zusammen mit dem rechts montierten Motorgriff fühlt sich der Apparat handlich, aber grundsolide an. Das Messprisma steuert die Belichtungszeiten von 8sec – 1/1000sec mit manueller Blendenvorwahl. Belichtungskorrekturen können bequem in 1/3 Stufen reguliert werden.Auch die Möglichkeit der elektronischen Fernsteuerung ist durch eine Anschlussbuchse gegeben. Mehrfachbelichtungen und Spiegelvorauslösung gehören nach wie vor zur Serienausstattung. Die Objektive der Vorgängermodelle können ohne Einschränkung übernommen werden.


Mamiya RB 67 und Minox B

Eine typische Studiokamera der 1970er bis 1990er Jahre bot Mamiya mit der RB 67 an. Der Rollfilm wurde mit einem Format von 6 x 7 cm belichtet. Die Besonderheit dieses Kamerasystems lag im drehbaren Rückteil, womit der Wechsel von Quer- zu Hochformat blitzschnell erfolgen konnte. Die Objektive, lieferbare Brennweiten von 37mm bis 500mm, haben einen eigenen Zentralverschluss. Umfangreiches Zubehör bot dem professionellen Fotografen, für den dieser Apparat gedacht war, alles um seiner Arbeit nachzugehen. Die Bedienung der Kamera ist für heutige Verhältnisse fast eine Zumutung. Aber ein schnelles Schnappschusswerkzeug ist die RB 67 nie gewesen.


Kodak Brownie Super 27

Eine hübsche Kamera für den 127er Rollfilm produzierte der amerikanische Hersteller Kodak von 1961 – 1965: die Brownie Super 27. Als Besonderheit bot diese Kamera, die Negative im Format 4cm x 4cm belichtete, ein integriertes Blitzgerät an das hinter einem Klapptürchen versteckt war. Die Blitz-Belichtungszeit von 1/40s wurde automatisch beim öffnen der Tür eingestellt. Ohne Blitz wurde mit 1/80s belichtet. Das Objektiv, eine simple Kunststoff-Konstruktion, hatte zwei Entfernungs-Einstellungen und zwei wählbare Blendenstufen (f8/f13,5).Nach der erfolgreichen Einführung des Kodak Instamatic Systems wurden die Rollfilmkameras Mitte der 1960er Jahre aus dem Programm genommen.


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